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Veröffentlichungen

Benchmarking in der Abwasserwirtschaft - OÖ Gemeindezeitung / September 2004

Benchmarking ist ein kontinuierlicher Prozess, Produkte, Dienstleistungen und Praktiken zu messen gegen den stärksten Mitbewerber oder die Firmen, die als Industrieführer angesehen werden.
(David Kearns, Xerox)
 
Begrifflich gesehen handelt es sich beim Benchmarking nicht um eine neue Wortkreation. In seinem ursprünglichen Sinn impliziert Benchmarking vorwiegend den Aspekt des Messens und Positionierens. Durch Benchmarking wird es möglich, Rückschlüsse auf die eigene Position oder Leistungsfähigkeit im Vergleich zu anderen zu ziehen. Dadurch ist es möglich, eigene Schwachstellen zu erkennen, Verbesserungspotentiale zu finden und letztendlich Kosten einzusparen.

Auch die Siedlungswasserwirtschaft ist ständig bestrebt, ihre Dienstleistungen zu verbessern und gleichzeitig Maßnahmen zur Kostensenkung umzusetzen.
Nach erfolgreichem Abschluss des österreichischen Forschungsprojektes "Benchmarking in der Siedlungswasserwirtschaft" mit anschließender Diskussionsphase ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, einen kontinuierlichen Benchmarking-Prozess im Bereich der Abwasserwirtschaft in Gang zu setzen.

Unter der Leitung des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbandes (ÖWAV) wurde das Projekt ÖWAV-Benchmarking in der Abwasserwirtschaft in Zusammenarbeit mit der TU Wien, der Universität für Bodenkultur Wien und der Fa. Quantum Institut, Klagenfurt, für Betreiber von kommunalen Abwasseranlagen (Kanalisation und/oder Abwasserreinigungsanlagen) ins Leben gerufen.

Betreibern von Abwasseranlagen wird durch die Teilnahme an diesem Projekt ein modernes Managementinstrument in die Hand gegeben, wie es auch in der Privatwirtschaft schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt wird. Aber auch die öffentliche Hand wird immer mehr gefordert, in ihren Betrieben die Effektivität zu steigern, Betriebsabläufe und -kosten zu optimieren und eine Kosten- und Leistungstransparenz zu gewährleisten.

Benchmarking in der Abwasserwirtschaft vergleicht Abwasseranlagen anhand einzelner Betriebsprozesse - unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten - in ganz Österreich. Beispielsweise können die mechanische Vorreinigung, die mechanisch-biologische Reinigung, die Schlammstabilisierung und die weitergehende Schlammbehandlung als Prozesse definiert werden. Aufgrund der Untergliederung in die einzelnen Prozesse ist es auch möglich, Anlagen sehr unterschiedlicher Struktur auf Prozessebenen zu vergleichen. So unterschiedlich Abwasserreinigungsanlagen auch sein können, einzelne Prozesse sind immer ähnlich und damit vergleichbar.

Ziel des Projekt ist es, vom Besten (=Benchmark) zu lernen, die eigenen Betriebsabläufe zu optimieren und somit Kosteneinsparungen erzielen zu können.



Interpretation der Daten und Darstellung möglicher
Einsparungspotentiale im Individualbericht des Teilnehmers


Erfolgreiche Praxisbeispiele aus dem Forschungsprojekt zeigen, dass alleine durch den Vergleich mit den sogenannten "Benchmark-Anlagen" spürbare Einsparungen der jährlichen Betriebskosten erreicht werden können:
> Im Prozess "weitergehende Schlammbehandlung" erfolgte auf einer 180.000 EW-Anlage anhand des Beispiels der Benchmark-Anlage eine Umstellung des Konditionierungsmittels - Einsparung 89.000 Euro jährlich.
> Der Vergleich einer 120.000 EW-Anlage mit der Benchmark-Anlage brachte einen sehr hohen Pumpenergiebedarf im Prozess "mechanisch-biologische Abwasserreinigung" zu Tage. Untersuchungen haben gezeigt, dass bis dahin betriebene Rezirkulationspumpen für das Erreichen des vorgeschriebenen Reinigungszieles nicht erforderlich sind - Einsparung 25.000 Euro jährlich.
> Auch mittlere und kleinere Einsparungspotentiale können mit Hilfe des Benchmarkings aufgezeigt werden, z.B. bei den Entsorgungskosten für Rechengut.

Wer kann am Projekt Benchmarking in der Abwasserwirtschaft teilnehmen?
Alle Betreiber einer kommunalen Abwasserreinigungsanlage und/oder Kanalisation ab einer Größenordnung von 2.000 EW.

Projektsablauf
Ab Jänner 2005 wird mit der Datenerfassung der einzelnen Teilnehmer begonnen. Dafür wird derzeit eine Internetplattform eingerichtet, damit die Dateneingabe vor Ort über das Internet erfolgen kann. Erfasst werden die technischen Betriebsdaten sowie die kaufmännischen Daten der Anlagen aus dem Jahr 2004. Diese werden anonymisiert und in einem Datenpool gesammelt.
Im Anschluss an die Dateneingabephase wird eine Plausibilitätsprüfung durchgeführt, diverse Kennzahlen und die Benchmarks ermittelt.
In der 2. Jahreshälfte 2005 können die ersten Ergebnisse, Berichte, Kennzahlen, Benchmarks und viele andere Informationen mehr von den Teilnehmern via Internet abgerufen werden.
Anhand der Ergebnisse soll ein reger Erfahrungsaustausch unter den Benchmarking-Teilnehmern statt finden.

Das Land Oberösterreich begrüßt diese Fortsetzung des Forschungsprojektes als kontinuierliches Benchmarking in der Abwasserwirtschaft und unterstützt sowohl "die alten Teilnehmer" bei Fortsetzung des Projektes als auch die Neueinsteiger in das Projekt mit Förderungsmittel bis zu 50% der anfallenden Teilnahmegebühren.

Sollten wir Ihr Interesse an weiteren Informationen und einer eventuellen Teilnahme am Projekt Benchmarking in der Abwasserwirtschaft geweckt haben, erhalten Sie gerne nähere Auskünfte beim Amt d. Oö. Landesregierung, Abt. Wasserwirtschaft - Abwasserwirtschaft, Ing. Bettina Wenzel, Tel: 0732/7720-12937, Email: bettina.wenzel@ooe.gv.at.

Verfasserin: Ing. Bettina Wenzel, Amt d. Oö. Landesregierung, Abteilung Wasserwirtschaft - Abwasserwirtschaft, Kärntnerstr. 12, 4020 Linz.